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Rhein-Main-Presse v. 13.08.2016

 Presse Meta

 
 

Gedanken in Bildern und Texten visualisieren

Von Torben Schröder

AUSSTELLUNG „Metamorphose“ von Hanny Barth im Rahmen der Reihe „Grenzenlos bunt“ in der VG-Verwaltung

OPPENHEIM - „Stellen Sie sich mal vor, bei der Betrachtung im Spiegel sehen Sie ein völlig neues Gesicht an“, schlägt Hanny Barth vor. „Metamorphose“ nennt sich die Bilderschau der Künstlerin, die im Rahmen der Ausstellungsreihe „Grenzenlos bunt“ noch bis zum 28. Oktober im Sitz der Verbandsgemeinde Rhein-Selz in Oppenheim zu sehen sein wird. 

Gibt es Metamorphosen wirklich nur in der Tier- und Pflanzenwelt? Keineswegs, wie die Künstlerin an sich selbst festmacht. Ein Bild – im Rondo stets in Acryl oder Acrylmischtechnik – ist für sie „der Abschluss eines emotionalen und gedanklichen Prozesses“. Die „bildhaft dargestellten Wahrnehmungen ermöglichen den Austausch mit mir selbst“, erklärt sie. Kunst bedeute so „nicht nur Darstellung eigener Wahrnehmung, sondern auch Heilung und Bewusstwerdung“.

Beim Blick in Hanny Barths Biografie gewinnen diese Sätze einiges an Bedeutung. Nach dem Tod ihres Vaters nahm sie nach mehr als 20-jähriger Schaffenspause 2012 die Arbeit wieder auf, zwei Jahre später starb unverhofft auch ihre Tochter. Biografische Schicksalsschläge, gepaart mit einer belastenden beruflichen Tätigkeit, die nach Ausgleich verlangten. „Ich habe meine jüngste Tochter beim Sterben begleitet. Dann kam dieser Morgen, wo alles anders war“, berichtet Barth, „man steht am Abgrund und hat Angst vorm Fallen.“ Der Moment, wenn man plötzlich wieder auf festem Boden stehe, mache dankbar für das Leben. Und er gibt Anlass, die Gedanken „in Bildern und lyrischen Texten zu visualisieren“.

28 Jahre lebte Barth, die in Flensburg auf die Welt kam, in der damaligen VG Nierstein-Oppenheim und studierte in dieser Zeit Kunst, ehe die ausgebildete Tourismuskauffrau vor zwölf Jahren wieder in den Norden zog. „Dies ist meine erste Rückkehr“, erklärt sie. Im Frühjahr soll im Niersteiner Rathaus eine zweite folgen. „Wenn ich sehe, welch breite Palette Sie abbilden, muss ich mich verneigen“, betont der VG-Beigeordnete Bernd Neumer mit Blick auf die nächsten Ausstellungsorte Berlin, Essen, Florenz, Mailand und Hamburg. Hanny Barths Arbeit zeigt Wirkung. „Die Bilder male ich vornehmlich für mich“, blickt sie auf die mehr als 400 Werke, die in den vergangenen vier Jahren entstanden sind, „sie kommunizieren mit dem Betrachter. Ich erhebe nicht den Anspruch, dass sie gefallen oder eine Aufmerksamkeit erregen.“ Dennoch ist Kunst für sie Berufung, jüngst beendete sie ihr Kunsttherapie-Studium und gibt Kurse in intuitivem Malen. Ihre Kunst lädt ein, „auf Entdeckungsreise zu gehen. Hilfestellungen sind die Titel. Treten Sie in Kommunikation mit den Bildern. Was passiert mit Ihnen? Das ist viel wichtiger.“ Sie sei „bewusster, intensiver, elementarer, klarer, ehrlicher mir und anderen gegenüber geworden“, führt Barth aus. Kunst als Reinigungsprozess, von einer Kollegin einmal als „Striptease“ bezeichnet. Die Künstlerin empfand dies offenbar als Kompliment.

Bilder sollen Kommunikation auslösen

„Trost“, „Amsterdam“, „Letztes Himmelblau“, „Eispalast“ oder „Ungewissheit“ lauten die Titel, und die Bilder lösen das Versprechen ein, dass man alles erwarten könne, nur keine Gegenständlichkeit. Dass sich unter dem Titel „Erinnerungen“ unter der Oberfläche Bedrohliches zusammenbraut, darf man erwarten. 

Die „Metamorphose“ und das „Vergissmeinnicht“ geraten, mit psychologischem Blick betrachtet, regelrecht erschreckend. Barth berichtet davon, dass Bilder Kommunikation auslösen – und wie eine Besucherin beim Ausstellungsbesuch in Tränen ausbrach. Abstrakt sind die Bilder, aber, wie das Klischee es verlangen würde, einfach so dahin gemalt sind sie beileibe nicht. Eine Entdeckungsreise lohnt.